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#02 Kirsten – I

„Chikara. Kirsten. Raus!“

Die Worte waren mit einer solchen Wut, begleitet von einem lauten Knall, gesprochen worden, dass mir die nächsten Worte im Hals stecken blieben. Deshalb schaute ich ihn nur an, sah, wie er, ebenfalls erstaunt, seine linke Augenbraue anhob, bevor wir uns beide nach vorne drehten. Es war das Lehrbuch, das er in der Hand gehalten hatte, gewesen, das Herr Schultz auf den Tisch hatte fallen lassen. Wir saßen in der vorletzten Reihe im Klassenzimmer, sodass alle Schuler vor uns abwechselnd Herr Schultz und uns anschauten. Für einen, aber auch wirklich nur für einen kurzen Moment senkte sich Stille über die gesamte Klasse. Man hätte wirklich die sprichwörtliche Stecknadel gehört, denn ich hatte auch das Gefühl, dass niemand außer mir selbst atmete.

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#01 Cadence- I

“Hat es nicht wehgetan, als du vom Himmel gefallen bist?”

Eigentlich war ich voll damit beschäftigt gewesen, den letzten Rest aus meinem Latte Macchiato – Glas zu bekommen, während Jo unsere Rechnung begleichen ging. Deshalb runzelte ich jetzt die Stirn und hob meinen Blick, als ich so blöd von der Seite angequatscht wurde.

Er war aufgrund meines kritischen Blicks zwar irritiert, ließ es sich aber nicht nehmen, mir gegenüber Platz zu nehmen. „Hat dir denn noch keiner gesagt, dass du ein Engel bist?“

„Nein, bisher ist nie jemand auf die Idee gekommen“, antwortete ich sarkastisch und lehnte mich in meinem Stuhl zurück.

„Darf ich dir noch ein Espresso spendieren, Schönheit?“, fuhr der Typ mit seiner Aufreißermasche fort, ohne auf meinen Einwurf zu reagieren

„Nein, darfst du nicht, denn wir wollten gerade gehen“, antwortete Jo für mich, der hinter mich getreten war. Ich spürte sanft seine Hand auf meiner linken Schulter und konnte mir den Blick, den er dem Typen vor mir zuwarf, bildlich vorstellen. Ich sah praktisch schon, wie die Gänsehaut seinen Körper ergriff. Nur noch wenige Momente und er fing an, zu schwitzen. Dann würde es nur noch Momente dauern, bis er ihn erkannte.

„Lass uns gehen“, stimmte ich Jo zu und griff nach meiner Tasche, die die ganze Zeit an meinem rechten Fuß gestanden hatte. Ich hatte die Tasche schon über meine rechte Schulter gestreift und Jo hatte mir den Arm um meine Taille gelegt, als der Typ endlich seine Sprache wieder fand.

 

„Bist du nicht…“