Veröffentlicht in DailyLife, Schule

#20.5

~ Teil 2 ~

Da ich auch ein Wirtschaftler bin, ist eins meiner berufsbezogenen Fächer Rechnungswesen.

Mit dem Fach habe ich in der Ausbildung nicht wirklich gute Erfahrungen gemacht, inzwischen weiß ich, dass es am Lehrer gelegen hat. Es kommt verdammt viel darauf an, ob man das, was der Lehrer auf seine eigene Art einem beibringen will, versteht oder nicht.

Am ersten Schultag bekommt man ja auch die Namen der Lehrer mitgeteilt, die einen Unterrichten. Da mein Lehrer aus der Ausbildung mit unserem Abschluss in Rente gegangen ist, fiel der schon mal durchs Netz. Als ich dann gehört habe, dass Mr. B. unser Lehrer in Rechnungswesen wird, habe ich mich schon auf das schlimmste eingestellt.

Mr. B. hatte ich in der Ausbildung in BWL gehabt und wirklich nichts verstanden. Liegt vielleicht auch daran, dass ich BWL irgendwie nicht nachvollziehen kann, aber das ist ein anderes Thema J Jedenfalls, wie ich mich im letzten Ausbildungsjahr auf eine Drei retten konnte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Bei der Kombination hatte ich eigentlich schon mit dem Unterricht abgeschlossen, bevor er überhaupt begonnen hat. Aber wie heißt es so schön? Es kommt immer anders, als man denkt.

 

Erstaunlicherweise verstand ich nicht nur den Stoff im Unterricht, sondern auch Mr. B’s ganz eigene Unterrichtsart. Er gehört zu der Sorte Lehrer, die gerne über den Stoff im Buch hinaus Vorträge hält, aber nicht einen Buchstaben davon aufschreibt. Versteht sich von selbst, dass daraus in den Arbeiten immer mindestens eine Frage, die auch ziemlich viele Punkte gab, enthalten war.

Ich stellte mich also dieses Mal intelligenter an, passte fleißig auf und schrieb mit, wenn er wieder einen Monolog hielt. Als ich dann die erste Arbeit mit einer Zwei zurückbekommen habe, war ich vollends zufrieden. Es ist immer wichtig, sich eine gute Basis zu schaffen und eine Zwei ist da nicht gerade die schlechteste Grundlage.

Die Wochen zogen ins Land und Anfang Dezember stand die zweite Klassenarbeit an. Es war jetzt nicht so, als wäre ich bei dem Thema unsicher gewesen – eher im Gegenteil – aber ich hab‘ schon so einige Überraschungen erlebt bei Arbeiten. Besonders bei Mr. B.. Während der Ausbildung saß ich oft genug vor seinen Arbeiten und dachte mir: wtf…

In der Woche darauf wurden unsere Stunden überraschend von Dienstag auf Freitag verschoben – in die Stunden, wo ich mich für ein englisches Theater angemeldet hatte, das in der Schule stattfand. Das war so ziemlich der einzige Grund, warum ich an diesem Freitag in die Schule gekommen bin.

Freitags haben wir nur Sozi, Reli und BWL – wo der Unterricht maximal 60 Minuten statt 90 Minuten geht, da wir den Schulleiter als Lehrer haben – sodass man sich an einem Tag, an dem man in der Nacht zuvor nicht richtig geschlafen hat und in dem man sich ein bisschen krank fühlt, zweimal überlegt, ob man in die Schule geht.

Während ich also gespannt dem Theaterstück lausche, vibriert mein Handy in der Jackentasche. Und die Nachricht literally made my day. Eine Freundin, die nicht das Theaterstück besuchte und so Unterricht bei Mr. B. hatte, teilte mir meine Note mit (Eins). Aber erst in der Pause erfuhr ich, was das bedeutete.

In dieser Arbeit hatte es nämlich nur eine Eins gegeben. Was im Umkehrschluss bedeutete, dass beide Streber, K. und T., schlechter waren als ich. Ich hätte gerne den Moment mitbekommen, als sie im Unterricht realisiert haben, dass sie nicht die Besten sind. Aber das Gesicht in der Pause war auch gut genug.

Es war eines dieser Gesichter, dass du dir normalerweise einrahmen solltest. Denn jedes Mal, wenn du es betrachtest, weißt du, dass du etwas vollkommen entgegen der Erwartung anderer geschafft hast. Etwas, was sie nicht geschafft haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s