Veröffentlicht in Creative, Mika

#31 Mika IV

Heute gibt’s mal wieder was von Mika. Auch, wenn mir da langsam die Szenen/Ideen ausgehen 🙂

Aber zuerst ist die Band-Trilogie dran, bevor ich da wieder intensiver weiterarbeite…

„Du würdest es nicht verstehen.“

Seine dunkle, leicht raue Stimme war ebenso unverändert, wie sein gesamtes Erscheinungsbild. Immernoch bestimmend, mitfühlend und dabei triefend sarkastisch wie eh und je. Seine Mimik starr, spöttisch und doch so ausdrucksstark. Widersprüchlich wie keine zweite auf dieser Welt.

Er war vier, vielleicht fünf Schritte vor ihr stehen geblieben. Ein Abstand, den sie mühelos überwinden konnte, wenn sie es gewollt hätte. Den er aber auch nach seinem Belieben vergrößern und verkleinern konnte. Warum war er gerade dort stehen geblieben?

Jetzt, da er so nahe war, sah sie auch, dass er im Gegensatz zu ihr nicht auf seinen Schmuck verzichtet hatte. Er gab ihr damit einen zusätzlichen Schlag in die Magengrube, denn er zeigte ihr deutlich, dass er das Versprechen, dass sie sich damals gegeben hatten, keine Bedeutung mehr für ihn hatte. Sonst würde er nicht diesen Schmuck in dieser Situation tragen.

Es waren nicht einfach nur Tage, Wochen oder Monate, nein, es waren Jahre, die sie sich nicht mehr gesehen hatten. Die dazu beitrugen, dass er ihr fremder und zugleich realer vorkam, wie er es je gewesen war. Dennoch suchte ihr Blick nach etwas, was ihr wirklich bekannt vorkam. Doch egal, wie sie es drehte und wendete. Vor ihr stand ein Fremder, der nur entfernt an den Menschen erinnerte, der er einmal gewesen war.

Er kam lässig und schutzlos herüber, doch seine angespannten Muskeln waren bereit, jeden Moment den Befehl, der sich in seinen Gedanken formte, auszuführen. Er wartete darauf, dass sie etwas erwiderte.

Doch sie war zu eingenommen von seiner Anwesenheit, dass sie erst einmal gar nicht daran dachte, irgendetwas zu sagen. Darauf zu reagieren. Sie war zu geschockt, immer noch. Nach all dieser Zeit.

„Warum trägst du das Schwert nicht, das ich dir gegeben habe?“

Seine Worte wurden halb vom Regen verschluckt und vom Wind weggeweht, doch sie verstand sie trotzdem. Sie schnitten wie heiße Klingen durch ihr Herz.

„Weil es mich an dich erinnert“, antwortete sie, bemüht um eine neutrale, feste Stimme. Während sie versuchte, das auszublenden, was ihr beim Anblick seines Schwertes in den Sinn kam. Die Melodie seiner Worte zu vergessen, die sie jedes Mal tiefer in ihrem Herzen verletzte, als es je die Ignoranz ihr gegenüber, die er zeigte, könnte.

Widersprüchlicher ging es wohl nicht mehr, das wusste sie selbst. Sie verleugnete die Existenz eines Gegenstands, den sie von ihm erhalten hatte und der sich nach all den Jahren immer noch anfühlte, als wäre es eine Verlängerung ihres Körpers. Auf der anderen Seite tat sie alles dafür, ihn aufzuspüren und die Wunden, die die Erinnerungen hervorbrachten, nicht heilen zu lassen.

„Warum verfolgst du mich?“, fragte er weiter, obwohl er die Antwort bereits kannte. Sie suchte Antworten auf Fragen, die nur er ihr geben konnte. Es war sinnlos, diese Frage auszusprechen, genauso sinnlos, wie auf diese zu antworten. Obwohl sie beide wussten, dass das nicht der einzige Grund war.

Er schwieg wieder, wartete auf eine Antwort, die er nie bekommen würde. So, wie sie auf ihre Fragen wohl nie eine Antwort bekommen würde, egal, wie sehr sie es hoffte. Doch jedes Mal hinterließ ein Treffen mit ihm mehr Fragen, wie er sie je ihr beantworten konnte.

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