Veröffentlicht in Creative, Unsortiert

#40 – SHI I

In meinem heutigen Beitrag möchte ich euch gerne eine Geschichte näher bringen, die den Arbeitstitel „SHI“ hat. Im Moment bin ich noch im finalen Überarbeiten, plane aber damit, im März fertig zu sein und die Geschichte veröffentlicht zu haben 🙂

Sicher ist auf alle Fälle, dass es mit dem Kauf des eBooks Zugriff auf eine Bonusgeschichte von Kalahari gibt. Der Kauf wird sich also doppelt lohnen 😉

Im Vorfeld bekommt ihr aber schon die eine oder andere Szene zu sehen, weshalb ich jetzt mal einfach die Story für sich sprechen lasse. Viel Spaß beim Lesen!

Es war eigentlich recht ungewöhnlich, dass eine Holdinggesellschaft wie Sacred eine so hochdotierte Stelle wie die der ersten Sekretärin der Geschäftsleitung öffentlich ausschrieb. Normalerweise wurde dieser Posten durch das Nachrücken der zweiten Sekretärin besetzt, deren Stelle wiederum erst intern und dann extern ausgeschrieben wurde.

Doch nur wenige aus der Personalabteilung wussten, dass die aktuelle Vorgehensweise einen Grund hatte: der Geschäftsführer vertraute der zweiten Sekretärin mit ihren vorgeformten, vorurteilbehafteten und einstudierten Ritualen nicht. Neben seinem Arbeitsverhalten, durch das im Vorzimmer relativ wenig Arbeit anfiel, war das der Anstoß dafür gewesen, eine Neuorganisation des Aufgabenbereichs anzustreben. Der erste Schritt hierfür war, mit bewusst niedrigen Anforderungen von extern frisches Blut in das Unternehmen zu bringen.

Einer dieser wenigen Personen, die von den Plänen des Geschäftsführers wussten, war der Bereichsleiter für Personal, Mac Taylor. Obwohl es bereits sechs Uhr am Abend war und die Chefetage dadurch nur noch spärlich besetzt, schloss er hinter sich die Tür, als er das Büro des Geschäftsführers betrat.

„Mac, wie sind die Vorstellungsgespräche gelaufen?“, begrüßte Lucien Sacred ihn, konzentrierte sich jedoch eher auf das Tippen, wie auf seinen Gesprächspartner.

Mac Taylor betrachtete seinen um vier Jahre jüngeren Vorgesetzten, den er über seine Frau während deren gemeinsamer Studienzeit kennengelernt hatte.  Sein Blick wanderte von den schwarzen, zerzausten Haaren über sein müdes Gesicht hin bis zu dem offenen, weißen Leinenhemd. Sein Freund arbeitete viel zu viel und langsam sah man es ihm an. Mac wusste, dass die Einstellung einer neuen Sekretärin das nicht ändern würde.

„Du solltest dich mal ausruhen, Luce. Keinem ist etwas daran gelegen, wenn du zusammenbrichst“, entgegnete er und setzte sich ihm gegenüber. In seiner Hand hielt er einen Umschlag. Auch, wenn die Personalabteilung das ganze Prozedere angeleiert und entsprechend eine Entscheidung getroffen hatte, Lucien Sacred sprach das letzte Wort.

„Die Ergebnisse, Mac“, sagte Lucien nur mit einer Stimme, die keine Widerrede duldete, und schaute auf. Seine Müdigkeit machte ihn reizbar und wenn er etwas definitiv nicht kannte, dann war es Geduld.

„In der engeren Auswahl stehen zwei Bewerber: Melissa Camden und Alessandra Calessi“, erklärte Mac seufzend und gab ihm den Umschlag. Darin waren die Bewerbungen beider Damen sowie die Auswertung aus dem Vorstellungsgespräch enthalten. „Beide mit relativ wenig bis gar keiner Berufserfahrung, machen aber einen erwachsenen Eindruck.“

Mac hatte gesehen, wie Luciens Pupillen sich bei der Erwähnung von Alessandra Calessi kurz weiteten. Anscheinend wusste er, ohne ihren Lebenslauf gelesen zu haben, aus was für einem Elternhaus sie kam: ihre Eltern waren mächtige Größen im Musik- und Showgeschäft gewesen. Nach ihrem Tod hatte schier die ganze Welt getrauert. Mac glaubte selbst kaum, dass das alles erst knapp vier Jahre her war, so detailliert, wie er sich an alles erinnern konnte.

„Wie hat Sie sich im Vorstellungsgespräch geschlagen?“, hakte Lucien so desinteressiert wie möglich nach, während er beide Bewerbungsmappen durchblätterte. Sein Blick verweilte dabei etwas länger bei den Unterlagen von Alessandra Calessi; aber auch so wusste er bereits, dass Lucien sich für sie entschieden hatte.

„Sie ist ziemlich selbstbewusst für jemanden, der seit drei Jahren in therapeutischer Behandlung ist. Dabei muss der Unfalltod ihrer Eltern sie wirklich schwer getroffen haben“, wiederholte Mac seinen Eindruck aus dem Vorstellungsgespräch. „In gewisser Weise stellt sie ein Risiko da, aber keines, mit dem wir nicht umgehen können.“

„Sie soll so früh wie möglich hier anfangen“, erklärte Lucien schließlich und ließ die Bewerbungsmappen wieder zurück auf den Briefumschlag fallen. Auf seinen Einwand, dass es aufgrund ihrer angeknacksten Psyche zu Problemen kommen könnte, ging er erst gar nicht ein.  Er hatte sich im nächsten Moment wieder seiner Tastatur zugewandt. „Wir haben viel Arbeit, die erledigt werden muss.“

Mac griff nach den beiden Bewerbungsmappen und schob sie wieder zurück in den Umschlag. Warum hatte er nur das Gefühl, dass er gerade einen gesamten Tag sinnlos verschwendet hatte? Er hätte darauf bestehen müssen, dass Lucien sich vor der Auswahl die Unterlagen ansah.

Mac hoffte bloß, dass das im Vorstellungsgespräch nicht nur eine einmalige Sache gewesen war und Alessandra Calessi sich genauso gegenüber ihrem Vorgesetzten behaupten konnte, wie sie es am späten Mittag getan hatte. Sonst würde er ziemlich bald wieder im zweiten Stockwerk sitzen und sich langweilige Lebensgeschichten anhören müssen.

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