Veröffentlicht in Creative, Kaeldraic

#53 Kaeldraic – I

Ich kann es halt nicht lassen, deshalb bekommt ihr heute eine Szene von Kaeldraic 🙂

Kaeldraic ist einer meiner Ideen, die eher dem Genre Fantasie zugeordnet werden kann. Wer das nicht mag, darf gerne jetzt aufhören, zu lesen, aber ich kann sagen, er verpasst etwas 🙂

Zuerst wollte ich Kaeldraic in die Neuzeit verlegen, doch eine Parallelwelt, die irgendwie ein wenig ans Mittelalter erinnert, passte da doch mehr dazu.

Aber bildet euch am besten selbst eine Meinung, wenn ich hier nach und nach einige Szenen hochlade 😉  Viel Spaß beim Lesen!

„Sie leuchten wieder.“

Jurijs Worte und seine zarten Berührungen an meinem linken Handgelenk weckten mich.  Noch fiel das fahle Licht durch das milchige Glas auf das Bett, doch es würde nicht mehr lange dauern, bis die Nacht anbrach.

Ich hob meinen linken Arm, um die Linien und Zeichen, die sich auf meiner Haut befanden, selbst zu betrachten. Sie leuchteten in einem schwachen Violett, verloren aber schon ihre Farbe an den Rändern. Schon bald war das Phänomen wieder vorbei.

„Du solltest gehen“, erwiderte ich und drehte mich auf den Bauch. Dabei rutschte die Decke, die mich hüftabwärts bedeckt hatte, ein Stück nach unten, vom Bett runter. Trotz der Gänsehaut, die mich deswegen überlief, machte ich mir nicht die Mühe, sie wieder hochzuziehen. „Freundschaftsbonus hin oder her, du bist deinen Posten als Hauptmann der Palastwache los, wenn er merkt, dass du nicht vor, sondern in meinen Räumen deinen Dienst schiebst.“

Jurij drückte mir einen Kuss auf die linke Schulter, die ihm zugewandt war. „Das würde er nie tun, dafür bin ich zu wertvoll für ihn“, wiedersprach er mir in einem versöhnlichen, leicht schläfrigen Ton. Seine Fingerspitzen wanderten sanft über meinen Rücken, immer tiefer. Er dachte noch nicht einmal im Entferntesten daran, mein Zimmer zu verlassen.“

„Ich meine es Ernst. Das dachte James auch und du siehst, was mit ihm passiert ist“, warnte ich ihn und gab ihm einen leichten Stups, der ihn unvorbereitet traf. Um nicht unsanft auf dem Boden zu fallen, musste er sich abfangen und rutschte dabei teilweise unter der Decke hervor. Sofort war sein Körper mit einer Gänsehaut überdeckt, denn das Feuer, das heute Mittag noch hoch gelodert hatte, war längst niedergebrannt. Die Kälte des Zimmers zeigte nur zu deutlich, dass der Winter nahte.

James und Jurij waren Freunde des Königs, bereits seit Kindertagen. James hatte zum Beraterstab gehört und war die Person gewesen, auf die der König noch am ehesten in Krisenzeiten hörte. Er war diese eine Person gewesen, der in manchen Momenten bedingungslos vertraut wurde.

Dennoch hatte er erst vor wenigen Wochen die Bekanntschaft mit dem Strick gemacht. Viele hielten James‘ Hinrichtung für eine Kurzschlussreaktion, geboren aus der derzeitigen Situation. Die langen Jahre des herrschenden Kriegs zerrten an jedermanns Gemüt; besonders an dem des Königs. Seine Wutausbrüche waren inzwischen legendär und jeder fürchtete, das Opfer seines nächsten zu sein.

Seufzend bückte Jurij sich nach seinem Hemd und begann, sich anzuziehen. Es war die Erwähnung des Königs gewesen und die Erinnerung an seine Wutausbrüche, die ihn umgestimmt hatten. Er, als Hauptmann der Palastwache, hatte schon zu vielen Hinrichtungen beiwohnen müssen. Seine eigene sollte nie stattfinden, sofern er das verhindern konnte.

„Na los, geh schon“, ermahnte ich ihn nochmals, als er nach seinem Schwert griff, um es sich umzugürten. Gemeinsam mit dem Leuchten der Zeichen auf meiner Haut verschwand auch die Hitze in meinen Gliedern. Es war höchste Zeit, dass er mich alleine ließ. „Je früher, desto besser.“

„Kenna… ich werde noch einmal mit ihm reden.“

Ich schüttelte den Kopf und stützte mich auf meine Unterarme ab. Es brachte nichts, mit Aedan zu reden. Es hatten schon zu viele Menschen versucht, mein Schicksal zu ändern. Über kurz oder lang waren sie auf mysteriöse Weise verschwunden oder zu Tode gekommen. Ich hatte es satt, Menschen zu verlieren, die mir ans Herz gewaschen waren.

„Geh Jurij“, sagte ich nur. Es würde in einer sinnlosen Diskussion enden, wenn ich ihn erneut versuchte, davon abzubringen. Dafür hatte ich jetzt wahrlich keine Zeit. Ich spürte schon, wie sich innerlich in mir alles verkrampfte.

„Ich werde wiederkommen“, drohte er mir liebevoll und beugte sich über mich, um mir einen Kuss auf die Wange zu geben. Dann wandte er sich zur Tür hin, öffnete und schloss sie dann wieder hinter sich.

Ich folgte ihm mit meinem Blick und riskierte dann einen in Richtung Türschwelle, den ich mir eigentlich hätte sparen können. Obwohl die Barriere bereits drei Monate alt war, war sie noch so stark wie am ersten Tag und leuchtete in einem sanften Gelb. Die einzige, die sie sehen konnte, war ich, denn immerhin war ich die einzige Person, der sie schadete.

Als kleines Kind hatte ich oft versucht, diese Barriere zu überwinden, war jedoch nie weiter wie ein, zwei Schritte gekommen. Wenn ich mir recht überlegte, war das wohl auch mit ein Grund, warum rund um die Uhr eine Palastwache vor der Tür stand.

Jurij war Hauptmann der Palastwache und damit so ziemlich der einzige Mensch, der nicht vor meiner Tür Wache schieben musste. Doch er war der einzige Mensch, der sich aus freien Stücken in meiner Nähe aufhielt. Obwohl ich froh über diesen Kontakt zur Außenwelt war, fragte ich mich, warum überhaupt eine Wache vor meiner Tür stand. Selbst, wenn ich könnte, warum sollte ich von hier weggehen? Im Gegensatz zu dem, was mich außerhalb des Raumes erwartete, war das hier das reinste Paradies.

Seufzend ließ ich mich zurück in die Laken fallen und zog die Decke wieder über den Kopf. Mit tiefen, gleichmäßigen Atemzügen versuchte ich mich gegen das zu wappnen, was jetzt kam. Zu den aufkommenden Krämpfen setzte jetzt ein Kribbeln ein, das bald den ganzen Körper überzogen hatte.

Nur Momente später fühlte sich mein Körper an, als stände er buchstäblich in Flammen. Meine Adern fühlten sich wie Schmirgelpapier an, mein Atem hingegen schien in meinen Lungenflügeln einzufrieren. Meine Kehle fühlte sich wie die eines Verdurstenden an, meine Glieder, als würden sie einzeln gebrochen und herausgerissen, bevor sie jemand stümperhaft wieder zusammensetzte. Es war, als würde man sich lebendig und tot zugleich anfühlen.

Mir kam es jedes Mal wie eine Ewigkeit vor, bis der Anfall aufhörte. Schwer atmend registrierte ich erst dann, dass Soraya sich neben mir eingerollt hatte; in die Kuhle, die sich zwischen meinen angezogenen Knien und den angewinkelten Armen gebildet hatte.

„Hallo Kleine“, begrüßte ich die etwas mehr als drei Monate alte Katze, die mir vor einigen Tagen gebracht worden war. Aufgrund ihres schneeweißen Fells, dass nur an einer Pfote durch einen schwarzen Fleck unterbrochen war, wäre sie beinahe getötet worden.

Ich war zu müde und erschöpft, um meine Hand zu heben, damit ich sie streicheln konnte. Doch Soraya schien meine Stimme zu genügen. Sie schnurrte gleichmäßig und ließ mich so allmählich in einen traumlosen Schlaf hinübergleiten.

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3 Kommentare zu „#53 Kaeldraic – I

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