Veröffentlicht in Allgemein, Schottland

Schottlandurlaub – Kritischer Rückblick

Jetzt sind schon wieder einige Tage seit dem Wanderurlaub vergangen. Hier erfahrt ihr, was ich von diesem Urlaub und insbesondere vom Wandern halte.

Mir war von Anfang an klar gewesen, dass die 155 Kilometer des West Highland Ways nicht gerade ein Zuckerschlecken werden würden. Dass das ganze mich nach an meine Grenzen und sehr wahrscheinlich auch darüber hinaus bringen würde. Aber wie sagt man immer? Man muss immer etwas einmal ausprobiert haben, um am Ende sagen zu können, dass es nichts für einen ist.

Ich war eigentlich noch nie der Typ, der gerne gewandert ist. In der Schule haben wir das immer nur zu Karneval gemacht und da ist es ja bekanntlich meist schweinekalt. Dementsprechend wenig Lust hatten wir darauf und entsprechend skeptisch war ich auch.

 

An diesen Urlaub bin ich daher eher mit gemischten Gefühlen gegangen. Am Anfang habe ich das ganze noch als Herausforderung gesehen. Ein Weg, mich selbst zu beweisen und dabei die wunderschöne Natur zu genießen, die mir „versprochen“ wurde. Auf der anderen Seite um zu schauen, ob das Wandern nicht doch vielleicht etwas für mich ist. Ok, ich hätte es vielleicht mit einer kürzeren, wenig anspruchsvolleren Strecke machen sollen, jedoch hat sich alles, was meine Bekannte mir erzählt hat, echt toll angehört. Und Tagestouren zwischen 14 und 23 Kilometer hörten sich jetzt auch nicht so schrecklich an. Immerhin sind die Touren ja auch eigentlich so geplant (zumindest wie wir sie ausgewählt haben), dass ein gesunder und ungeübter Mensch diese an einem Tag schaffen konnte.

Den Beitrag habe ich am zweiten Tag angefangen zu schreiben, in meiner ersten Pause. Schon da wusste ich, dass Wandern überhaupt nichts für mich ist. Die anderen Tage haben mich eigentlich nur darin bestärkt, dass ich dieses masochistische Verhalten von Hobby- und Profiwanderer einfach nicht verstehen kann. Ich sehe einfach keinen Sinn darin, auf der einen Seite einen Hügel hoch und auf der anderen Seite ihn wieder runterzugehen ohne dadurch irgendetwas bewirkt zu haben. Meistens ist die Aussicht noch nicht einmal toll. Warum kann man nicht die Runde am Fuß des Berges nehmen, der viel einfacher und weniger kräftezehrender ist? Die Aussicht ist da beinahe dieselbe, nur aus einem anderen Blickwinkel.

Und so naturverbunden sind die meisten Wanderer auch nicht, wenn man schon gesehen hat, was an den Wegrändern lag, obwohl noch nicht einmal Hauptsaison da ist…

 

Von der wunderschönen Natur habe ich eigentlich auch nicht viel gesehen. Am Anfang sind wir entweder an dichten Wäldern, die aus kahlen Bäumen und blühenden Ginstersträuchen bestanden, gewandert, oder über weitläufige Wiesenstücke. Am Ende waren es eigentlich nur kahle Berge. Wahrscheinlich hat mir dann irgendwann der Blick dafür gefehlt und ich wollte einfach nur, dass der Urlaub vorbei ist (was ich auch eher denke).

Die Aussicht vom Conic Hill war schon schön, aber im Endeffekt jetzt auch nicht so berauschend (Ja, ich weiß, dass ich alles fast absichtlich ins Negative ziehe, aber so fühle ich halt immer noch. Katastrophenurlaub halt). Es ist einfach der Blick von einem Berg runter auf einen See. Der See an sich ist schon schön gewesen. Aber halt einfach Wasser, in dem man noch nicht einmal schwimmen kann, weil es verdammt kalt war.

Da fand ich meinen Finnland-Urlaub und den dortigen Trip zur Insel Soumenlinna/Sveaborg viel beeindruckender und schöner. Da hab ich auch glaub ich annähernd 100 Bilder alleine von dieser Insel und den verschiedenen Dingen, die uns dort erwartet haben, gemacht und denke jetzt immer noch gerne an diesen Urlaub bzw. diesen Tag zurück. In Schottland habe ich vielleicht 60 Bilder gemacht, wovon die meisten hier im Blog gelandet sind. Es gab einfach nichts, dass ich wirklich fotografieren wollte. Immerhin macht man ja Fotos, um sich später an die guten Momente zu erinnern. Aber die gab es für mich jetzt nicht wirklich in diesem Urlaub.

 

Die Pause, die ich am dritten Tag eingelegt habe, war wirklich nötig gewesen. Aber ich hätte wirklich da den Urlaub an sich abbrechen sollen. Die Tage an sich hab ich mich eigentlich nur gequält und habe jetzt im Nachhinein die Quittung bekommen. Vor einer Woche bin ich zum letzten Mal gewandert, aber noch immer tut mir das Auftreten echt weh. Zeigt eigentlich total, dass ich einfach zu untrainiert für so einen Trip bin … 🙂 Und, dass ich, wenn ich Urlaub mache, wirklich Entspannung brauche und nicht jeden Tag körperliche Betätigung.

Was mich auch sehr irritiert hat, ist, dass die Busverbindungen in diesem Gebiet wider jeder Logik sind. Man könnte doch meinen, dass zumindest ein wenig eingeplant wurde, dass der eine oder andere Wanderer mal einen Tag auslässt und ohne Wandern zum nächsten Ort gelangen möchte. Aber nein, mann musste teilweise sogar die Strecke, die man gewandert ist, mit dem Bus zurückfahren, dort umsteigen, damit man an sein Ziel gekommen ist. Und dann fuhr der eine oder andere Bus auch nur 1-2x am Tag. Das wiederum hat mich wieder an die seltsamen Fahrpläne daheim erinnert, die mich daran denken ließen, wie viel leichter ich es doch gehabt hätte, wenn ich einfach daheim geblieben wäre und dort in Ruhe gelernt hätte.

 

Das ist nämlich ein weiterer Punkt, der mir die Reise so negativ hat erscheinen lassen. Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass ich während dem Wandern Zeit hätte, das eine oder andere Mal in meine Unterlagen zu schauen und den einen oder anderen Punkt meiner Lernliste abzuarbeiten. Bis auf die Strecke am 3. und 4. Tag sind die Touren auf 4-6 Stunden Wandern ausgelegt gewesen. Wir sind ja leider immer superfrüh losgewandert, dass während des Tages eigentlich genügend Zeit geblieben ist, mal hier und da eine richtige Pause einzulegen. Immerhin kamen wir immer erst ab 16 Uhr in die B&Bs. Aber die Pausen, die wir gemacht haben, lohnten sich bei weitem nicht, mein Notizbuch überhaupt rauszuholen. Meistens waren es sowieso Stehpausen, in denen wir entweder die Jacke an- oder ausgezogen hatten und schnell einen Schluck tranken. Abends habe ich mich natürlich hingesetzt, aber das reichte aus meinem Empfinden nicht aus. Da hat man sowieso nur an Essen und Schlafen gedacht.

 

Als Fazit kann ich von diesem Urlaub sagen, dass es für mich kein Urlaub war.

Ich habe ihn nicht genossen, sondern mich einfach nur durch die Tage gequält. Obwohl ich an den meisten Tagen relativ gut geschlafen habe, waren die Nächte durch häufiges Aufwachen (was ich normalerweise nie habe) auch ein wenig nervenaufreibend. Genauso wie meine Begleitung, die in dieser Zeit auf Nikotin – und Koffeeinentzug war und dementsprechend gut gelaunt war. Die Umgebung konnte ich nicht wirklich genießen, da ich mich auf den Weg und darauf konzentrieren musste, einfach meine Schmerzen zu vergessen. Ich habe nicht so viel gelernt, wie ich eigentlich musste. Außerdem sind wir eigentlich durch die Gegend gehetzt und haben „Kilometer gemacht“, wie meine Mutter gesagt hat, als einfach den Urlaub zu genießen. Das habe ich an dem ganzen nicht verstanden und werde es auch wohl nie. Das ist Urlaub, warum sollte man sich da so unter Zeitdruck setzen?

Hinzukommt, dass ich jetzt erst einmal drei Tage gebraucht habe, um überhaupt mich ein wenig von den körperlichen Schmerzen zu erholen. Der Saunatag am Mittwoch war da dringend nötig gewesen, ich glaube nicht, dass ich sonst meine Verspannungen so schnell ohne professionelle Hilfe wegbekommen hätte. Aber auch heute noch fühle ich mich müde und antriebslos und bin viel zu sehr mit den Nachwirkungen des Urlaubs (emotional und körperlich) beschäftigt, als dass ich mich wirklich auf die Schulsachen konzentrieren könnte, was dringend notwendig wäre.

 

Sorry, wenn das alles ein bisschen wirr ist^^

Aber irgendwie kann ich es nicht besser beschreiben, wie katastrophal dieser Urlaub eigentlich für mich gewesen ist. Und eigentlich will ich auch gar nicht mehr daran denken. Lieber setze ich mich jetzt zurück an meinen Laptop und verbringe meine Zeit mit Schreiben, statt über vergangene Tage zu philosophieren… Da kommt wenigstens was ordentliches heraus 🙂

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