Veröffentlicht in Creative, Unsortiert

#60

Nachdem heute mal wieder zwei Stunden ausgefallen sind & wir mit den Technikern zusammengelegt wurden, habe ich die Zeit ein bisschen genutzt, um mal meinen Stick ein bisschen zu sortieren und zu schauen, was da so alles schlummert. Dabei bin ich über eine Idee gestolpert, viel mehr über den Anfang einer Story, die mir letztes Jahr mal irgendwann eingefallen ist.

Auf meine beiden Süßen scheint der Regen (endlich Regen 😉 ) einen einschläfernden Effekt gehabt zu haben – die beiden haben sich seit heute Mittag kaum von der Stelle gerührt – hatte ich Zeit genug, mich ein bisschen damit zu befassen und mich an einer Szene mal zu probieren.

 

Viel Spaß beim Lesen!

„Gib mir eine.“

Erschöpft ließ ich mich neben Alex auf die kleine Holzbank vor dem Haus fallen. Es war fast Mitternacht und der Regen hatte endlich aufgehört. Obwohl wolkenverhangen, konnten wir von hier aus deutlich sehen, dass nur wenige Meter unter uns das Wasser in einer reißenden Geschwindigkeit vorbeifloss.

„Was?“ Alex, der bis jetzt an der Hauswand mit geschlossenen Augen gelehnt hatte, zuckte bei meinen Worten zusammen.

„Ich weiß, dass du noch Zigaretten hast, obwohl du Mam vorhin zwei Packungen gegeben hast. Gib mir eine.“

Alex sah mich schief von der Seite an. „Dein Ernst?“

Ich rollte mit den Augen und streckte nur fordernd meine Hand aus.  Alex zögerte einen Moment, bevor er in die hintere Hosentasche griff und eine zerknautschte Packung JB herausholte. Sie war noch fast voll, was ein Wunder bei Alex war. Er rauchte eigentlich wie ein Schlot.

Ich nahm mir gleich zwei aus der Packung und machte mir nicht die Mühe zu verstecken, dass es nicht meine erste war, als ich eine von ihnen anzündete. Im Moment war mir alles egal. Wäre alles normal abgelaufen, würde ich jetzt vollkommen entspannt den Schlaf der Gerechten schlafen. So saß ich mit meinem Zwillingsbruder und einem unbekannten Mann in der Berghütte, die mich mit jeder Faser daran erinnerte, was heute alles schief gelaufen war.

Auch Alex zündete sich jetzt eine Zigarette an und so rauchten wir einträchtig und schweigend. Ich sog den Rauch tief ein, in der Hoffnung, diese sich immer wiederholende Tätigkeit würde mir etwas von der Ausgeglichenheit geben, die er sonst bewirkte. Das Kribbeln in meinem Körper machte mich fahrig und nervös. Dabei konnte ich mir gerade in dieser Situation keine Fehler erlauben…

„Wie geht es ihm?“, fragte Alex schließlich in die Beinahestille der Nacht, seinen Blick immer noch abgewandt. Er genoss seine Zigarette mehr als ich. Wahrscheinlich, weil er eher im Blick hatte, wie lange diese eine Packung reichen musste. Weiß Gott, wie lange wir hier festsaßen.

„Den Umständen entsprechend. Ich muss morgen früh mal im Kofferraum sehen, was wir noch haben. Wenn wir hier morgen nicht weg kommen, braucht er dringend eine Infusion. Seine Brandwunde ist wirklich schlimm…“, sagte ich leicht dahin und zündete mir die zweite Zigarette mit der restlichen Glut der ersten an. Ich nahm erst einmal einen tiefen Zug, bevor ich fortfuhr. „…, aber ich habe schon schlimmeres gesehen. Er wird durchkommen.“

„So?“, hob Alex nur seine Augenbraue.

Auch, wenn er den ganzen Abend so gut wie nichts getan hatte, verfügte Alex ebenfalls über ausreichendes Fachwissen. Wenn wir den Mann, der jetzt in dem Doppelbett auf der ersten Etage schlief, nicht so schnell wie möglich ins Krankenhaus brachten, würde es schwierig sein, dass er seine Brandwunde ohne bleibenden Schäden überlebte.

Bei dem Gedanken daran, was im Laufe der Nacht noch alles passieren konnte, schlug mein Herz höher und verstärkte so das leichte Kribbeln unter meiner Haut. Ich wurde noch verrückt, wenn es nicht endlich aufhörte. So lange hatte ich es noch nie aushalten müssen, ohne zu wissen, wann ich es lindern konnte.

„Hast du deinen Flachmann auch dabei?“, hakte ich interessiert nach, als mir einfiel, dass Alex üblicherweise nicht nur Zigaretten mit sich herumschleppte. Ich musterte ihn von oben bis unten, erhielt jedoch nur ein Kopfschütteln.

„Hätte ich gewusst, wie der Tag heute endet, hätte ich ihn mit Sicherheit dabei.“

Ich seufzte und lehnte mich zurück. „Das wäre ja auch zu einfach gewesen.“

Schweigend saßen wir einige Momente zusammen, bevor Alex sich doch keinen Kommentar verkneifen konnte: „Keine Drohung, dass ich es nicht deiner Mutter erzählen soll?“

„Wieso sollte ich? Beide mögliche Szenarien laufen günstig für mich aus. Es wird sich nicht ändern, selbst, wenn meine Mutter davon weiß“, zuckte ich mit den Schultern und drückte auch die zweite Zigarette aus.

Solange ich sie nicht vor der Öffentlichkeit blamierte, war es Mom eh egal, was ich machte. Sie hatte genügend mit Alex und Lisa zu tun, da ließ sie mir einiges durchgehen.

„Hm“, meinte Alex nur und reichte mir die Zigarettenpackung.

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