Veröffentlicht in Creative, Kaeldraic

#64 Kaeldraic II

Die News zuerst: Nachdem Kalahari II endlich vom letzten Testleser/Korrekturleser zurück ist, wird es wohl endlich was mit der Veröffentlichung *so happy*   Wenn ich das unter Dach und Fach habe, werde ich wohl auch für Kalahari eine Leserunde bei Lovelybooks starten. Aber das steht auf einem anderen Blatt 🙂

 

Für den heutigen Artikel habe ich jedenfalls wieder eine Szene aus Kaeldraic ausgewählt. Es ist die direkte Nachfolgeszene von dieser.

Viel Spaß beim Lesen!!

Es dauerte nicht lange, bis das Geräusch von schweren Stiefeln mich wieder aufweckte. Sie versetzten mich sofort in Alarmbereitschaft, denn sie waren keinesfalls die Schritte von Caren, meines Dienstmädchens. Der Tag hatte sich schon dem Ende zugeneigt, sodass ich erst am nächsten Morgen ihr Erscheinen erwartet hatte. Abends brachten normalerweise die Wachen mir das Abendessen.

Instinktiv wusste ich, dass es für die Wachablöse zu früh war. Außerdem konnte ich, je näher sie kamen, die Schritte von mehreren Personen heraushören. Sie würden doch nicht…

Ich wollte gerade die Augen wieder schließen, um mich besser zu konzentrieren, als die Tür aufschwang und Caren hereinkam. Sie legte das Tablett mit meinem Abendessen auf den entsprechenden Tisch ab, behielt danach jedoch ihre starre Haltung bei.

Für einen kurzen Moment verließ sie noch einmal halb das Zimmer, kam dann aber mit einem dampfenden Krug zurück. Bevor sie mir sagte, was ihr überraschendes Auftauchen ausgelöst hatte, griff sie schon nach dem Lappen, tunkte ihn in den Krug und begann mir den kalten Schweiß von der Stirn zu wischen.

„Ihr sollt euch bereit machen“, erklärte sie mir und bemühte sich um eine gefühlslose Stimme. Dennoch hörte ich das Zittern in ihr und spürte das Beben ihrer Finger auf meiner Haut.

Es waren mir schon viele Dienstmädchen zugeteilt worden, wobei Caren es bisher mit etwas mehr als drei Jahren am längsten in meiner Nähe ausgehalten hatte. Inzwischen hatte sie es geschafft, keine Angst vor mir zu haben, doch dass sie mir beim Waschen half, war etwas Neues.

„Wer wartet vor der Tür?“, fragte ich schließlich und ließ mir von ihr in ein schlichtes Kleid helfen. Im Augenblick nahm ich gerne jede Hilfe entgegen, denn der Anfall hatte mich dieses Mal mehr geschwächt, als ich erwartet hatte. Normalerweise stand ich aber auch nicht so bald danach auf.

„Kannst du dir das nicht denken?“, kam die Antwort schon von der Tür her, bevor Caren mir antworten konnte.

Die tiefe und manchmal samtweiche Stimme war dieselbe, doch jetzt klang sie unendlich müde. Über die Jahre hatten sich Aussehen und Statur verändert, sodass man nur an unseren stahlgrauen Augen und den ähnlichen Gesichtszügen unsere Verwandtschaft sah. Nur wir beide hatten diese Augenfarbe geerbt, die einzigen stahlgrauen Augen ganz Kaeldraics.

Caren fiel sofort vor ihm auf die Knie, obwohl sie eigentlich dabei gewesen war, mir hinten das Kleid zu schließen. Es sah lächerlich aus, war jedoch verständlich. Immerhin stand der König ihres Landes vor ihr, dem sie zur vollständigen Ergebenheit verpflichtet war.

„Verlasst den Raum.“

Caren ließ sofort alles stehen und liegen und schien nicht schnell genug den Raum verlassen zu können. Ciaran, der oberste Leibwächter meines Bruders, der ihn wie immer begleitet hatte, zögerte kurz, bevor auch er uns alleine ließ.

„Kannst du mich nicht einmal vorwarnen?“, fragte ich ihn müde und setzte mich zurück aufs Bett. In dem Versuch, das Zittern zu verbergen, das meinen Körper immer noch beherrschte. Ich hoffte, er würde die Kälte, die unser beider Atem sichtbar werden ließ, als Grund dafür heranziehen. „Deine Barriere hält noch, wie am ersten Tag. Es ist viel zu früh, um sie zu erneuern.“

„Deshalb bin ich nicht hier“, schüttelte Aedan müde den Kopf. Er ließ sich in den breiten Sessel mir gegenüber fallen, der nur in diesem Zimmer stand, damit er es sich bequem machen konnte. Das Kettenhemd, das er unter seiner weit geschnittenen Kleidung trug, rasselte dabei leise. Wie schlimm war es nur, wenn er es selbst hier trug? „Aber das weißt du.“

„So frei kann ich nicht meine Kraft einsetzen, auch wenn du das denkst“, erzählte ich ihm einmal mehr die Halbwahrheit.

In Wirklichkeit hatte ich bereits im Morgengrauen gewusst, dass er mich besuchen würde. Neben ihm kam Caren nur zwei-, höchstens dreimal am Tag vorbei und brachte mir mein Essen oder Wasser zum Waschen, blieb jedes Mal aber nicht wirklich lange. In den letzten 18 Jahren hatte ich so genügend Zeit gehabt, meine Kräfte auszutesten. Inzwischen waren sie weit mehr als nur die eines Orakels, das die Zukunft voraussehen konnte.

Es war jedoch vielmehr der Alptraum gewesen, der mir seinen Besuch bescherte. Jedes Mal, wenn ich ihn erlebte, hoffte Aedan, dass sich etwas geändert hatte. Doch auch dieses Mal musste ich ihn enttäuschen.

„Es hat sich nichts verändert“, sagte ich leise. Manchmal fürchtete ich mich vor seiner unendlichen Geduld, die er trotz seines Temperaments hatte. Er drängte mich nie, davon zu erzählen, sondern wartete immer ab, bis ich sprach. „Ich habe nicht mehr gesehen, wie zuvor.“

Aedan vergrub als Antwort sein Gesicht in den Händen und sah so verzweifelt wie jedes Mal aus, als ich diese Worte aussprach. Egal, wie oft er zu mir kam. Egal, wie sehr er versuchte, sie abzuwenden. Die Prophezeiung, an der unser beider Leben hing, änderte sich nicht. So sehr wie beide es wollten.

„In einer Woche finden die Festlichkeiten anlässlich der Hochzeit von Lord Dove statt. Für deine Garderobe ist bereits gesorgt, pack also nur das notwendigste ein und sorge dafür, dass dein Haar bei unserer Ankunft rabenschwarz ist“, sprach Aedan müde und stand auf.

Bei jeder Entscheidung, die Aedan traf, hoffte wir insgeheim beide, dass sie den Fluss der Zeit unterbrechen und die Prophezeiung abwenden würde. Seine lang herausgezögerte Entscheidung, dass ich ihn mit auf die Reise ans Ende des Landes begleitete, war Ausschlag für die gestrige Offenbarung gewesen.

Doch warum hatte er sich jetzt, nach fast 18 Jahren, dazu entschieden, gegen die Anweisungen zu handeln und mich aus dem Turm zu lassen? Bisher hatte er es doch nie auch nur in Betracht gezogen? Was hatte sich geändert?

„Er wird die Krone nur mit weiteren Truppen unterstützen, wenn er endlich das Geheimnis der Königsfamilie kennenlernt“, beantwortete Aedan mir meine nicht ausgesprochene Frage und verließ das Zimmer.

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4 Kommentare zu „#64 Kaeldraic II

      1. Ja weiß ich 😊

        Liegt vielleicht auch an meiner schlechten Gewohnheit mich selbst immer nieder zu machen & nie zufrieden zu sein. Oder aber an den Millionen Ideen die ich habe, aber nicht zu Ende schreibe 🤔

        Naja jedenfalls, ich hab noch bissel was von der Geschichte. Kannst dich also noch auf mehr Lesestoff freuen 😎

        Gefällt 1 Person

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