Veröffentlicht in Creative, Kaeldraic

#71 Kaeldraic -III

Heute gibt es mal wieder was von Kaeldraic.

Ich wünsch euch viel Spaß beim Lesen!

Mit dem Gedanken, diesen Turm zu verlassen, hatte ich mich relativ schnell anfreunden können. Jedoch nicht mit Aedans Befehl, meine eigene Kraft gegen mich selbst zu richten. In den Überlegungen, wie ich es ihm beibringen konnte, dass das nur schiefgehen könnte, entdeckte ich Ciaran im Türrahmen. Erst jetzt sah ich, dass er schon seit geraumer Zeit nicht geschlafen haben musste. Seine Augenringe leuchteten deutlich unter seiner blassen Haut hervor.

„Was will er denn noch von mir?“, fragte ich genervt, als ich seine abwartende Haltung sah.

Ciaran reichte mir ein Amulett. Ich brauche es nicht zu berühren, um zu wissen, dass es mit seiner Kraft gefüllt war. Nicht genug, um die Barriere zu entfernen, aber ausreichend, um sie für kurze Zeit relativ schmerzfrei zu überwinden. Ein warmer Blitz schoss durch meinen Körper, als ich es in die Hand nahm. Trotz der Wirkung, die diese Magie auf mich hatte, fühlte ich mich jedes Mal sicher und geborgen, wenn ich sie spürte.

„Wir brechen in wenigen Stunden auf. Ihr werdet umfassenden Schutz während der Reise benötigen. Es gibt genügend Menschen im Reich, die sich den Tod des Königs wünschen – und wissen, dass sie ihn erreichen, wenn sie Euch umbringen“, sagte Ciaran in seinem freundlich-neutralen Tonfall, den ich von ihm kannte. „Ihr dürft euch diese drei Personen selbst auswählen.“

Auch nach fünf Jahren im Dienste meines Bruders konnte ich ihn einfach nicht durchschauen. Er war der einzige Mensch, aus dem ich nicht wie in einem offenen Buch lesen konnte. Was wahrscheinlich der Umstand war, warum er immer an Aedans Seite war.

„Wie gnädig“, murmelte ich vor mir hin und suchte nach dem Tuch.

Wenn Aedan von mir verlangte, unter die Menschen zu treten, bedeutete das, dass ich meine Haare verhüllen musste. In den Jahren vor ihrem Tod hatte meine Mutter für das Kind, das die silbernen Haare aus der Prophezeiung erhalten würde, ein Tuch gewebt, mit dem dieses verborgen werden konnte. Ich brauchte nur wenige Momente, um mein langes Haar zusammenzunehmen und unter dem Tuch zu verstecken.

„Sie gehören ausnahmslos zur Eliteeinheit und haben eine jahrelange Schulung unterlaufen. Sie werden ihr äußerstes tun, um Euer Leben zu schützen“, erklärte Ciaran weiter, als er mit mir die Reihe von 13, nein 14 Männern abging.

Sie standen an einer Wand des schmalen Ganges, der den Turm mit dem restlichen Königspalast verband. Sie alle trugen keine Waffen und identische Uniformen, in denen sie starr auf die andere Wand schauten.

„Mag sein, dass sie gut im Befehle befolgen sind, aber diese vier – ich ging die erneut Reihe ab und zeigte auf sie – werden mir nie nahe genug kommen wollen.“

Dadurch, dass ich so abgeschirmt von der Außenwelt war, besaß ich nicht viel Menschenkenntnis. Doch nach all den Jahren spürte ich, wenn jemand Angst vor mir hatte, mir etwas Böses wollte oder einfach nicht geeignet war, sich in meiner Gegenwart aufzuhalten. Selbst bei solchen Elitesoldaten, die von klein auf darin geschult wurden, ihre Magieimmunität bis auf das äußerste auszureizen.

Weitere vier Männer schickte Ciaran mit einem Wink zurück ins Hauptgebäude, nachdem ich auch sie für ungeeignet hielt. „Er kann euch nicht mehr als drei zugestehen, sonst erregt eure Gegenwart zu viel Aufsehen“, erinnerte Ciaran mich dann.

„Du musst mich nicht daran erinnern, welches Risiko mein Bruder eingeht, mich auch nur für kurze Zeit aus dem Turm zu lassen“, sagte ich bitter und blieb vor einem Mann stehen. „Ich möchte, dass er mich aus der Ferne bewacht, wenn er im Dienst ist.“

„Aber er…“, protestierte der Mann, ein wenig jünger als die anderen, der links von ihm stand. Er bestätigte mir damit, dass die beiden miteinander verwandt oder zumindest gute Freunde waren.

„Eure Namen“, befahl ich in einem Tonfall, der nur zu sehr an meinen Bruder erinnerte, bevor Ciaran etwas sagen konnte. Er brachte die übrigen sechs Soldaten dazu, strammer zu stehen und ihren Blick erneut starr nach vorne zu richten.

„Caius und Carl Farell, königliche Hoheit“, antwortete derjenige, dessen Affinität zu Fernwaffen ich erkannt hatte.

„Caius, suche dir deine Partner aus. Es nützt nichts, dass ich dir jemanden zuteile, mit dem zu nicht zusammenarbeiten kannst.“

Mit diesen Worten wandte ich mich um und ging schnurstracks zurück in mein Zimmer. Inzwischen sollte ich doch meinen Bruder besser einschätzen können! Er hatte nur wenig Magie in das Amulett geflochten und mich so wider Erwarten zu einer schnellen Entscheidung genötigt. Wusste er, dass ich geschwächt war und so den Widerstand weniger gut aushielt?

Kaum hinter der Tür, riss ich mir das Tuch vom Kopf und das Amulett vom Handgelenk, die beide im hohen Bogen in der Ecke landeten.

Ohne Frage, Aedan würde die Barriere entfernen, wenn wir zum Anwesen von Lord Dove aufbrachen. Doch wie sollte ich die Reise dorthin, geschweige denn die Hochzeitsfestlichkeiten überstehen, wenn ich noch nicht einmal seine Soldaten richtig einschätzen konnte?

Entweder waren die sechs verbliebenen Soldaten weitaus besser geschult wie die, die ich fortgeschickt hatte, oder es gab mehr Menschen, als ich erwartet hatte, auf dieser Welt, die es schafften, ihre wahren Gefühle zu verstecken.

Alleine der Gedanke daran, dass mein sechster Sinn mir nicht helfen würde, bevor es zu spät war, tief mir Tränen in die Augen und Krämpfe in den Magen. Wie sollte ich das alles überstehen? Aedan musste einen verdammt guten Grund dafür haben, mir so etwas anzutun!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s