Veröffentlicht in Cadence, Creative

#74 Cadence – V

Genau vor einem Monat habe ich mir ein neues Schreibziel gesetzt und ich muss sagen, es läuft richtig gut 🙂 Im Moment bin ich voll im Zeitplan und hab in den letzten Tagen sogar geschafft, mein tägliches Schreibziel von 2.036 Wörtern zu verdoppeln.

Auch, wenn die ganze Zeit, die ich mit dem Schreiben verbringe, nicht unbedingt „Cadence“ zugute kommt, hier ist die nächste Szene.

Viel Spaß beim Lesen!!

Während ich über die beiden Wochen in Mailand sprach und ihm schließlich auch von der Anmache im Café erzählte (obwohl ich diese peinliche Situation am liebsten vergessen hätte), merkte ich, wie Brook sich langsam beruhigte. Die Uhrzeit und der Tequila, den wir beide während des Erzählens weitertranken, taten ihr Übriges und irgendwann war Brook eingeschlafen.

Leise, damit er nicht aufwachte, stahl ich mich mit Bürste und Wassereimer nach draußen auf den Balkon und beseitigte den Blutfleck, der schon langsam angetrocknet war. Im Schein der Taschenlampe meines Handys entdeckte ich beim Aufstehen, dass Manu eine seiner Zigarettenpackungen auf dem Balkon liegen gelassen hatte.

Da sie reichlich zerknautscht war, nahm ich an, dass sie leer war. Doch als ich sie schüttelte, fielen vier Zigaretten heraus. Im ersten Moment wollte ich sie zurückstecken, doch warum auch nicht? Ich war jetzt nicht so der Raucher, hatte auf den Partys oft einfach nur so aus Spaß mitgeraucht. Aber an dieses gewisse Gefühl von Ruhe konnte ich mich noch erinnern.

Manu würde bestimmt nichts dagegen haben, wenn ich ein oder zwei rauchen würde. Es lagen sowieso überall in der Wohnung Zigarettenpackungen, da würde es kaum auffallen. Dass ein Feuerzeug in der Nähe war, machte die Entscheidung, ein bisschen Dampf abzulassen, noch leichter.

Mit einer sanft vor sich herglimmenden Zigarette entledigte ich mich der Putzsachen und griff dann nach meinem Handy, um ihn anzurufen. Er nahm sofort das Telefongespräch an. Da Brook ihm während unseres Gesprächs schon eine Nachricht geschickt hatte, musste ich ihn dann nicht auch noch über die Pläne der nächsten Tage aufklären. Auch er fand es eine gute Idee, dass Brook sich erst einmal eine Auszeit nehmen würde und würde morgen Abend noch eindringlich mit ihm darüber reden.

Nachdem ich das Telefonat mit Manu hinter mir hatte, steckte ich mir erst einmal eine neue Zigarette an. Er kannte mich schon ziemlich lange, wenn auch nicht so gut wie meine Familie. Bei ihm fiel es mir leicht, ein bisschen Gutwetter zu machen, zumal er sich eher Sorgen um Brook, als um mich machen sollte.

So einfach war das bei den Zwillingen nicht. Sie würden sofort merken, wenn was nicht in Ordnung war. Die beiden besaßen so eine Art sechsten Sinn dafür. Bei Brook hatten sie auch immer mal wieder per Zufall hinter seine Fassade sehen können, auch, wenn er es nicht von sich aus zuließ. Doch gegenüber mir war der Beschützerinstinkt noch mehr ausgeprägt. Immerhin war ich das Nesthäkchen und zudem auch ein Mädchen, um das sich meine Brüder immer Sorgen machten. So merkten sie es sofort, wenn ich ihnen was vorspielte, auch, wenn ich vom Besten gelernt hatte.

Im Kopf bereits die Worte, die ich reden würde, zurechtgelegt, wählte ich schließlich Juliens Nummer an. Da es in der USA erst früher Abend war und die beiden wohl schon von ihrem Shooting zurück waren, hob er relativ schnell ab.

„Hey Jul“, begrüßte ich ihn so ruhig wie möglich. Doch Julien, der immer einen Blick darauf hatte, wie groß die Zeitverschiebung war, wusste, dass wir schon weit nach Mitternacht hatten. Seine nächsten Worte waren daher schon fast vorhergewusst.

„Muss ich mir Sorgen um dich machen, Cay?“, fragte er als Begrüßung zurück.

„Machst du dir eh, egal was ich tue“, schoss ich daher zurück. „Könnt ihr ein weiteres Zimmer für Brook organisieren? Er braucht dringend eine Auszeit und kommt daher auch mit.“

„Hab ich mir schon gedacht, als Mike es uns vorhin gesagt hat. Ich hab nur nicht angerufen, weil ich dachte, dass du schon lange schläft. Wie hat er es herausgefunden?“ Julien schlussfolgerte, wie immer, richtig, dass Brook der Grund war, warum ich überhaupt noch wach war.

„Durch einen Arbeitskollegen. Er hat Brook um ein Exklusivinterview gebeten“, erwiderte ich knapp

„Wie geht es dir dabei?“

Julien schien die Ruhe selbst, doch ich wusste, dass es auch in ihm brodelte. Im Nachhinein glaube ich, dass es gut war, dass Jasper zu dem Zeitpunkt, als er davon erfahren hatte, bereits in Untersuchungshaft gewesen war. Julien hatte durch sein langjähriges Footballtraining einiges an Muskeln zugelegt und war für allerhand Blessuren verantwortlich gewesen, die ehemalige Freunde von mir davongetragen hatten.

Die Vorstellung, was er mit ihm angestellt hätte, hatte mir damals ein Stück weit Ruhe gebracht. Jetzt bereute ich es fast, dass er es nicht getan hatte. Julien hätte zwar mit den Konsequenzen leben müssen, doch es hätte ein Teil der Wut abgebaut, die unsere ganze Familie fühlte.

„Es macht mich fertig, dass es Brook so fertig macht“, antwortete ich ihm erst, nachdem ich mir eine weitere Zigarette angezündet hatte. „Er macht sich immer noch Vorwürfe, dass er nicht früher da gewesen ist. Dabei hat sein Eingreifen doch schlimmeres verhindert. Ich nehm‘ ihn morgen zu Grandma mit, es ist nicht gut, wenn er alleine ist.“

„Rede dann auch mal mit seinem Therapeuten, ob er nicht wieder Schlaftabletten bekommt. Dann hat er zumindest keinen Kater, wenn er aufwacht“, sagte Julien halb besorgt, halb sarkastisch. Er wusste, wie ich es schaffte, Brook zum Schlafen zu bekommen, wenn Worte nicht halfen.

„Es passt mir nicht, dass wir ihn ruhigstellen müssen. Aber ich weiß, dass er sich sonst den Schlaf, den er dringend benötigt, nicht gönnt“, verzog ich das Gesicht, stimmte ihm aber dennoch zu. „Wo sind eigentlich Mom und Dad?“

„In Mexiko unterwegs. Hast du die Nachricht noch nicht gelesen?“

„Muss wohl in der Hektik der letzten Stunden untergegangen sein. Wissen Sie schon Bescheid?“

„Kaycee hat mit ihnen telefoniert. Mom wird sich wohl bei dir morgen früh melden. Willst du mit Kaycee reden? Sie ist gerade reingekommen.“

Ich drückte meine Zigarette aus und gähnte. „Ne, lass mal. Ich sollte auch schlafen gehen.“

„Schreib mir nachher, wenn Brook wach ist. Gute Nacht, Cay.“

„Gute Nacht. Auch an Kaycee.“

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