Veröffentlicht in Creative, Kaeldraic

#81 – Kaeldraic VII

Was Deanna wohl über diese Reise und ihre Schwägerin Kenna denkt?

Viel Spaß beim Lesen.

Der Schrei gellte beinahe durch die gesamte Gaststätte. Es zerrte zwar an so manchen Nerven, dass sie wegen des draußen tobenden Sturms bereits die zweite Nacht hier verbrachten, doch es war sicherer und vor allen Dingen bequemer. Hier gab es angenehm warme Räume und ein mit einer heißen Quelle ausgestattetes Badehaus, was förmlich dazu einlud, länger wie nötig zu bleiben.

Deanna konnte sich einfach nicht vorstellen, warum Lord Dove bei solch einem Wetter heiraten wollte. Es war viel zu kalt, nass und windig für ihren Geschmack. Doch wollte man der Vision Kennas Glauben schenken, würden die Tage der Hochzeitsfestivitäten einfach traumhaft werden. So ertrug sie stillschweigend die lange Reise und den im Vergleich zum Schloss eher kleinen Gasthof. Immerhin wurde es von ihr als Gemahlin des Königs verlangt, dass sie bei solchen Ereignissen zugegen war und Haltung bewahrte.

Anders als im Schloss, teilte Deanna sich wieder mit ihrem Mann, König Aedan, eine Schlafstätte. Das Wochenbett war vorbei; nichts außer die Tradition des Hofes hinderte sie daran, die Nacht gemeinsam zu verbringen. Oder die Prophezeiung, die seit ihrem Kennenlernen zwischen ihnen stand und sie auch in ihrer Ehe immer auf einen gewissen Abstand hielt. Manchmal kam es Deanna vor, dass er sie nur geheiratet hatte, um der Prophezeiung Folge zu leisten. Kinderlosigkeit würde unwillkürlich zum Ende führen; auf der anderen Seite deutete eine weitere Vision an, dass das Ende näherkam, wenn Aedan zwei Kinder geboren wurden und Kenna selbst ein Kind zur Welt brachte.

Deanna hatte gehofft, dass sie in den wenigen Tagen der Reise mehr Zeit mit ihrem Mann verbringen konnte. Immerhin gab es in dem Gasthof nicht viel zu tun. Doch er verbrachte die meiste Zeit des Tages damit, mit seinen Beratern irgendwelche Kriegstaktiken zu besprechen oder wie ein gefangenes Tier im Zimmer auf und ab zu laufen. Er machte sie schier verrückt damit, doch sie blieb bei ihm. Immerhin wollte sie sich nicht nachsagen lassen, dass sie sich absichtlich von ihrem Mann weiter entfernte.

Sie hatten sich noch nicht lange niedergelegt, als Aedan, obwohl mittlerweile im Tiefschlaf, begann, sich im Bett hin- und her zu wälzen. Deanna hatte sich gerade daran gewöhnt und wollte selbst einschlafen, als der Schrei sie beide sich beinahe senkrecht im Bett aufrichten ließ. Obwohl noch schlaftrunken, schalt ihr Mann schneller und hatte sich schon ein Mantel übergeworfen, bevor sie überhaupt die Decke zur Seite geschlagen hatte.

„Es ist Kenna“, sagte er noch, bevor er aus der Tür eilte.

Deanna sah deutlich im Schein der Lampe, der durch die geöffnete Tür hineinfiel, dass sein Schwert noch immer an den Stuhl gelehnt stand. Was war, wenn das alles eine Falle war? Aedan war schon immer unvorsichtig gewesen, wenn es um seine Zwillingsschwester ging. Obwohl Aedan es vermied, mit ihr näheren Umgang zu haben und auch allen anderen Menschen dies weitestgehend verbot, kannte sie keinen Menschen, der ihm mehr am Herzen lag.

In den letzten Monaten ihrer Schwangerschaft hatten sie oft über Aedans Verhältnis zu Kenna gestritten. Er konnte nicht mit, aber auch nicht ohne sie. Deshalb konnte sie nicht verstehen, warum sie, eine Person, die mutmaßlich dafür verantwortlich war, dass er dem Tod geweiht war, ihm wichtiger war, als seine eigene Ehefrau. Alles drehte sich nur um sie, Aedan schien sie gar nicht mehr zu beachten.

Auch jetzt schossen diese Gedanken wieder durch ihren Sinn. Deanna verscheuchte sie schnell und machte sich auf, ihrem Mann zu folgen.

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