Veröffentlicht in Creative, Kaeldraic

#84 – Kaeldraic IX

War das alles, was Kenna vom Ende der Prophezeihung geträumt hat?

Viel Spaß beim Lesen.

„Jetzt weiß ich, wieso: ich bin mittendrin, wenn es passieren wird.“

Aedan stieß die Luft aus, die er bei ihren ersten Worten unwillkürlich angehalten hatte. Er würde es nie zulassen, dass sie ihn auf das Schlachtfeld begleitete. Alleine schon deswegen, weil er nicht wollte, dass sie verletzt wurde und seine letzten Momente mitbekam. Was würde nur an seinem Todestag passieren, dass er sie mitnahm? Wie schrecklich würde der Krieg denn noch werden?

Der einzige Grund, der ihm einfiel, warum sie ihn begleiten sollte, war, dass er ihre Magie brauchte. Doch wozu brauchte er auf dem Schlachtfeld ihre Vorhersage der Zukunft? Oder hatte Kenna in den letzten Jahren ihre Kraft weiterentwickelt? Schlief sie deshalb mit Jurij, weil sie nicht warten wollte, bis ihre Kraft sich nach ihrem Einsatz wieder von selbst auflud? Doch was konnte sie in diesem kleinen Raum, in dem sie gezwungenermaßen lebte, groß anrichten?

Kennas nächste Worte fesselten jedoch wieder seine Aufmerksamkeit. „Links und rechts von mir starben so viele Menschen, während mich keiner der Pfeile traf. So viele Tote… so viel mehr wie sonst … in einer so kurzen Zeitspanne. Du warst weiter vorne, umgeben von deinen engsten Vertrauten, und doch so nah. Ein Schneesturm kam auf, doch die Seldracer waren unerbittlich. Unsere Verteidigungslinie konnte sie nicht mehr aufhalten und so fiel die Gruppe um dich herum immer weiter zurück…“

Sie stoppte wieder und gab Aedan so unbewusst Zeit, um über ihre Worte nachzudenken. Bis auf ihre Anwesenheit auf dem Schlachtfeld war an der Szene noch nicht wirklich Ungewöhnliches. Kenna kannte zwar die Todeszahlen, doch sie wusste mit Sicherheit nicht, wie sie Zustande gekommen waren. Bei seinem ersten Mal auf dem Schlachtfeld war er selbst erstaunt gewesen, wie schnell doch Menschen starben.

Aedan suchte Kennas Blick und sah deutlich in ihrem Blick, dass sie eigentlich deutlich mehr Zeit brauchte, um all das zu verarbeiten, was sie gesehen hatte. Sie wählte ihre Worte weise, als wäre sie sich ihrer breiten Zuhörerschaft bewusst. Dabei war ihr Blick glasig, als würde sie durch ihn hindurchschauen.

„Ich konnte denjenigen, der dich getötet hat, nicht erkennen. Zu vermummt durch seine Rüstung, zu dicht der Schneesturm. Er trug einen schwarzen Speer, dessen Spitze aus Gold gegossen war. Ich kann dir nicht sagen, von welcher Seite er kam. Doch er stieß ihn dir mitten durchs Herz.“

Ein erschrockenes Ausatmen ging durch die wenigen Personen, die Kennas Worte noch mitbekamen. Sie stellten sich wahrscheinlich alle dieselbe Frage, die er ihr jetzt stellte. „Sterbe ich sofort?“

Kenna schüttelte vehement den Kopf und suchte jetzt seinerseits den Blick. „Nein, und das ist, was mich so verwirrt. All die Jahre bist du direkt gestorben. Dieses Mal nicht. Ich habe deinen Schmerz gespürt. Deine Fassungslosigkeit. Du hast diesen Angriff zunächst überlebt und mit letzter Kraft eine Barriere erschaffen, die mehrere Tage die Seldracer davon abgehalten hat, einen erneuten Angriff zu starten. Als sie fiel, waren unsere Truppen ausgeruht genug, um die Seldracer zu besiegen.“

Aedan hatte nicht vielen Menschen den Grund anvertraut, warum er seine Kräfte, abgesehen von der Voraussage aus der Geburtsprophezeiung, nicht einsetzte. Sie war einfach zu mächtig, sodass er sie einfach nicht beherrschen konnte. Dadurch konnte er ihre Auswirkungen nicht bewusst kontrollieren und hatte bisher nur einmal vor den Augen vieler Menschen eingesetzt – und war dadurch für einige Verluste in den eigenen Reihen verantwortlich gewesen. Dass er es schaffte, eine Barriere aufzubauen, die selbst die mächtigsten Magier der Seldracer nicht brechen konnten, war schier unmöglich.

Er sah ihn ihren Augen und ihrer verkrampften Haltung, dass sie noch mehr gesehen hatte. Waren es die ungewünschten Zuhörer oder die Nachwirkungen der Vision, das sie sich so verschloss? Egal was es war, Aedan wusste, dass er in dieser Nacht nichts mehr aus ihr herausbekommen würde.

„Versuch ein wenig zu schlafen und mach dir dann erst Gedanken darüber, was es zu bedeuten hat“, sagte er deshalb und drückte sie noch einmal fest an seine Brust. „Das ist nicht das Ende.“

Sobald er aufstand, schreckten die anderen aus ihrer Starre auf und verteilten sich auf dem schmalen Flur, damit er Platz hatte. Erst, als er an ihr vorbei war, merkte er, dass auch Deanna zu diesen Personen gehört hatte, die Ciaran nicht weggeschickt hatte. Er konnte nur für einen kurzen Moment ihren Gesichtsausdruck sehen. Irgendetwas an der ganzen Situation hatte Deanna nicht gefallen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s