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#09 Alex – V

Zu meinem Erstaunen war es die Stimme meines Vaters, die ich im nächsten Moment hörte: „Na Süße, was macht meine Lieblingstochter?“ „#09 Alex – V“ weiterlesen

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#08 Alex – IV

Ein Grinsen kehrte auf meine Lippen zurück. „Tja.“

Sandra gab mir einen kleinen Stups. „Na los, je schneller du an seine Seite trittst, desto eher kommen wir gefahrlos nach Hause“, sagte sie, nicht ohne Neid.

Ich strich mir die Haare aus dem Gesicht, umarmte die beiden noch, bevor ich mich durch die Menge kämpfte. Auch, wenn sie ihn alle bewunderten, traute sich keiner, ihm näher zu kommen oder ihn gar anzusprechen. Zwischen dem Ende der Schülermenge und Jurij lagen zwei Schritte. Als ich dort angekommen war, ließ er seine Zigarette fallen und trat ihn mit seinem linken Fuß aus.

„Hey“, begrüßte ich ihn und wollte ihm einen Kuss auf die Wange geben. Doch Jurij drehte seinen Kopf so, dass ich seine Lippen traf.

“Hey Sasha“, sagte er mit einem Grinsen und nahm mir meine Tasche ab. „Überraschung.“

Ich lachte. „Definitiv gelungen.“

Ich stieg auf der Beifahrerseite ein, während Jurij meine Tasche in den Kofferraum legte und auf der Fahrerseite einstieg. Er startete gerade den Motor, als mein Handy klingelte. Ich sah ihn nur seine linke Augenbraue heben, während er sich in den Verkehr einreihte.

Ich zog das Handy aus der Tasche und schaute aufs Display. Mom.

„Was will die den jetzt?“, seufzte ich halblaut und hob ab.

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#07 Alex – III

„Nein, das ist es nicht. Die Montgomery meinte mal wieder, Alex auf die Nerven zu gehen“, antwortete Anna für mich und hakte sich bei uns unter.

„Und ich hab‘ schon gedacht, du könntest mir bei Französisch helfen“, meinte Sandra traurig, bevor sie stehen blieb und mich fixierte. „Du willst dich doch nicht so mit Jurij treffen, oder?“

Ich schaute kurz an mir herunter: blauer, knielanger Rock, weiße Bluse, schwarze Sandalen. „Wieso, was verkehrt daran?“, fragte ich irritiert und zog Anna weiter.

„Ich kann ja verstehen, dass du in der Schule nichts aufträgst. Aber bei einem Date mit Jurij…“

„Warum sollte ich, er…“, zuckte ich nur mit den Schultern.

Wir traten durch die Eingangstüren und befanden uns sofort an Ende einer tuschelnden und kreischenden Schülermenge. Genervt wollte ich schon irgendeinen Kommentar abgeben, als ich den Grund dafür sah. Vor dem Schultor, ca. 15 Meter vor uns, stand ein Wagen, genau im Fenster des Schultors. Ein weißblauer Ford Mustang Shelby, der im Licht der Sonne frisch poliert glänzte. An der Wagentür des Beifahrersitzes lehnte eine Person, exakt 184,7 cm groß, mit einer selbstgedrehten Zigarette in der Hand. Man brauchte seinen Blick, der hinter einer schwarzen Sonnenbrille verborgen war, nicht sehen, um zu wissen, dass er trotz der Menschenmenge um ihn herum vollkommen cool blieb.

„Na, wenn das nicht mal ein Statement ist“, gab Anna fachmännisch ab und löste ihren Arm.

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#06 Alex – II

Anna neben mir hielt sich die Hand vor den Mund, damit sie nicht laut loslachte. „Echt Alex, dass du das fast jede Stunde abziehen kannst…“, meinte sie immer noch lachend, als sie aufstand und ihre Sachen zusammenräumte. Wir mussten den Raum für die nächste Unterrichtsstunde wechseln.

„Was kann ich dafür, wenn ihr Unterricht so langweilig ist?“, zuckte ich mit den Schultern und schob mein Heft in die Tasche. Ich hatte es während der letzten 45 Minuten nicht einmal aufgeschlagen. „Da muss sie sich schon etwas Bessres einfallen lassen. Immerhin war sie diejenige gewesen, die mir mein Unterricht bei Dr. Smith vermiest hat.“

Es war nicht so, als ob ich grundsätzlich respektlos gegenüber unseren Lehrern war. Es kotzte mich nur tierisch an, dass Mrs. Montgomery sich so verhielt, als wäre ich einer ihrer schlechtesten Schüler. Dabei wusste sie genau, dass ich von Dr. Smith immer zusätzliche Aufgaben erhalten hatte, damit ich mich im Unterricht nicht langweilte. Das wäre in diesem Halbjahr auch so weitergegangen, wenn sie nicht Dr. Smith wegen sexueller Nötigung angezeigt hätte.

Die Anzeige war auf Grundlage einer „anonymen“ Schülerin von ihr getätigt worden. Inzwischen war uns allen klar, dass die entsprechende Schülerin sich nur bei Mrs. Montgomery einschleimen wollte und hatte dementsprechend auch die Quittung kassiert. Selbst, nachdem diese Sache geklärt war, wurde Dr. Smith für dieses Halbjahr noch gesperrt.

„Dumme Tusse, dank ihr ist meine gute Laune dahin“, maulte ich, als wir gemeinsam die Klasse verließen.

„Kommt Jurij heute nicht?“, hakte Sandra nach, die zwei Klassenräume weiter Französisch in der letzten Stunde gehabt hatte, und schloss zu uns auf.

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#05 Alex – I

„Alexis Bellard!“

Die Stimme hatte einen Unterton, der einem Mix aus Resignation, Wut und Hilflosigkeit entsprang. Vielleicht hätte ich auch dieses Mal weggehört, wenn nicht ein leichter Rippenstoß mich dazu gebracht hätte, meinen Blick von der Landschaft außerhalb des Fensters abzuwenden. Erst, als ich nach vorne schaute, sah ich, dass um mich herum die Klasse bereits unterdrückt lachte.

Vorne, an der Tafel, ließ Mrs. Montgomery gerade das Buch, dass sie immer in der Hand hatte, auf das Pult fallen und fasste sich genervt an die Stirn. „Alexis Bellard, wenn du nicht sofort deine Aufmerksamkeit innerhalb dieses Klassenzimmers richtest, kannst du etwas erleben!“

„Ernsthaft, Mrs. M? Die fünf Minuten hätten sie auch noch aushalten können“, sagte ich frech, während ich Anna neben mir einen bösen Blick zuwarf. Der Rippenstoß hatte weh getan, das bekam sie nach der Schule zurück! „Wenn sie schon an einem Mathegenie verzweifeln, was machen sie dann mit einer Person, die mit Mathe auf dem Kriegsfuß steht?“

Um mich herum lachte die Klasse und auch Anna neben mir kringelte sich. Mrs. Montgomery lief rot im Gesicht an, man konnte auf ihrer Stirn deutlich eine Ader sehen, die hervortrat. Eigentlich tat sie mir ja auch leid, aber musste sie mich ständig stören?

Mein Blick wanderte an Mrs. Montgomery vorbei, zur Tafel. Dort hatte sie eine Gleichung in ihrer ordentlich graden Handschrift an die Tafel geschrieben und erwartete wohl eine Antwort von mir. Alleine, dass sie mich schon wieder mit so einer einfachen Gleichung nervte, war schon Grund genug für mich, sarkastisch hinzuzufügen. „Falls sie dann auch mal mit dem Unterricht fortführen möchten, die Lösung der Gleichung heißt 1,5. X ist gleich 1,5.“